Warum Ideen Räume brauchen

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Wozu noch mehr Orte für “kulturellen Freiraum”? „Es gibt doch Kultureinrichtungen“ bekomme ich zu hören. Mein persönliches Interesse ist es Räume für Kulturinteressierte und –schaffende aufzubauen, die abseits von Vereinsmeierei, Profit- und Marktlogik existieren. Kulturstätten, in denen auch experimentiert werden kann.

Experimentieren?
Experimente werden als Aktionen mit ungewissem Ausgang und dadurch als riskant in ihrer Kosten-Nutzen- Abwägung assoziiert. Aufgrund des unsicheren Outputs werden experimentelle Vorhaben von öffentlichen Stellen ersteinmal abgelehnt. Erst wenn messbare Parameter wie, z.B.  finanzieller Gewinn oder gesellschaftliche Reputation, vorgelegt werden können, öffnen sich die Pforten. Allerdings entsteht Neues und Anderes nicht durch Berechnung, sondern meist zufällig und unintendiert. Kurz: Wären die Mesopotamier effizienter mit ihrem Getreidebrei umgegangen und hätten ihn nicht verrotten lassen, gäbe es heute vielleicht kein Bier.

Mein Ziel ist es Räumlichkeiten zu finden, in denen es möglich ist, Ideen zu ent- und verwerfen. Unter diesen Voraussetzungen kann viel Neues entstehen. Die Räumlichkeiten sollen für Ateliers, Partys, Workshops, Gruppentreffen, Ausstellungen, Cafe, etc. zur Verfügung stehen. Fernab von überprofessionalisierten und damit unbezahlbaren Locations will BonnBunt flexible Angebote bereitstellen. Die Frage ist nicht ob – sondern wie leerstehende Gebäude genutzt werden können. Getreu dem Motto: “Wo Du eine Müllhalde siehst, sehe ich eine Wertstoffsammlung.” Jedes Gebäude ist nutzbar, insofern keine Lebensgefahr, z.B. durch Einsturz, von ihm ausgeht.

Bonn kann die zarten Pflänzchen ihrer kreativen und alternativen Kultur bewässern und pflegen, um sie noch lebens- und liebenswerter zu machen. Oder sie verdorren lassen. Bonn hat mehr zu bieten als die Museumsmeile und das Opernhaus. Eine zukunftsorientierte Stadt sollte sich darum bemühen, den Auszug ihrer Kreativen in eine andere Stadt zu verhindern und Anreize vor Ort schaffen. Freiräume. In diesen Freiräumen können Konzepte anders angegangen werden, als wir es gewohnt sind. Das heißt auch, diese Konzepte wieder verwerfen zu können. Wer genügend Mut zum Erfolg hat, braucht keine Angst vor dem Scheitern zu haben. Die Erfahrung lehrt anderes. Mißerfolge gelten in einer Gesellschaft, die sich stärker an Fehlervermeidung,  als an Erkenntnisgewinn orientiert, als Tabu. Die Reaktion ist der Rückgriff auf “Altbewährtes”.  Dieser Rückgriff wird in Bonn zum Sedativ. Von einem “Freiraum für Kultur” würde auch die Stadt profitieren.  Nicht mit kurzfristigen Mieteinnahmen, sondern mit einem Anreiz für Menschen, die gestalten, entwickeln, musizieren, drehen, klicken, sprühen, schauen, servieren und diskutieren möchten. Menschen, die in der Lage sind gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen und ein nicht-profitorientiertes Angebot für sich und andere zu schaffen.

Bevor Leerstand zum Missstand wird, kann ein kultureller Freiraum zum Raum der Möglichkeiten vieler werden.
Wecken wir die Stadt auf! Laut und bunt!

 


CATEGORIES : blog/ AUTHOR : Damian

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